Aus Widars Wirken - Rezension

Von Widar, dieser geheimnisvollen Wesenheit der nordisch-germanischen Mythologie gibt es nur wenige Hinweise. Immerhin hatte Rudolf Steiner diesem schweigsamen Erzengel im Frühsommer 1910 den abschließenden elften Vortrag des Volksseelenzyklus in Oslo (GA 121) gewidmet. Doch die spärlichen Angaben in ein stimmiges Bild zu bringen, will nicht recht gelingen. Etwas Michaelisches haftet seinem eisernen Schuh an, mit dem der Fenriswolf überwunden wird. Und er wird als zukünftige spirituelle Macht gewürdigt, die in geheimnisvoller Verbindung steht zu der Wiederkunft Christi.im Ätherischen. 
Dieses noch schemenhafte und fast unwirkliche Bild wird. deutlicher, wenn - wie hier - eine Darstellung von vielen Menschen und mit verschiedenen künstlerischen Mitteln aufgegriffen wird. Eine große Weite öffnet sich, die nicht auf das wenig besiedelte Skandinavien beschränkt ist: Wir dürfen "Widar nicht zu eng mit einem Volk oder gar einer Nation verbunden denken; es ist vielmehr das nördliche, geographische Haupt Europas, w Widars Wirken ansetzt. Dies reicht über die Länder Skandinaviens bis hinein in den deutschsprachigen Raum. Dabei ist eine Offenheit vom Norden hinüber nach Osten zu verspüren", schreibt Steffen Hartmann im Vorwort. 
Die Zusammenstellung der Beiträge erfolgte auf eine Weise, die sich gegenseitig ergänzt und bereichert - oder auch zurecht rückt. So entstand ein künstlerischer Wurf, etwas wie eine wahrhafte Poesie. 
Mehrere Abbildungen figürlicher Darstellungen bringen das Vorstellen ins Gegenständliche, was jedoch immer wieder aufgehoben werden muß. Wie das geschehen kann, zeigt eine eindrucksvolle Annäherung an die titelgebende Erzengelgestalt, die die Umschlagsvorderseite schmückt. Wie einen Erkenntnisprozess beschreibt Johannes Greiner den Weg zum Bild: "Im Haupte das Hören, im Herzraum das Bewahren und in den Beinen das Offenhalten. Hörendes Denken, pflegendes Fühlen, zukunftsoffener Wille" können drei Widareigenschaften benannt werden. 
Aufgehoben werden muß auch der eurythmisch bewegte Fuß, bevor er - Erdenkräfte überwindend - auf den Boden gestellt wird. In einem der Beiträge wird von Lasse Wennerschou hingewiesen, wie eurythmisches Schreiten von ätherischem Fluten begleitet ist, spürbar bei jeder Aufführung. 
Immer wieder gibt es im Text Hinweise auf das Schicksal Kaspar Hausers, des unter mysteriösen Umständen verschwundenen badischen Thronfolgers. Was zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschehen ist, blieb ein Kriminalfall ohne Anklage, ein ungesühntes Verbrechen! Widars Schweigen ist auf langfristigen Ausgleich gerichtet. 
Die Fertigstellung dieser Textsammlung erfolgte im Sommer 2014, zu einer Zeit, wo scheinbar unüberbrückbare Gegensätze in neuen Ost-West-Konflikten die Weltpolitik erschütterten. Dies wurde von einem der Herausgeber vorausgesehen und als Friedensgabe entstand diese Textsammlung. Ein Inhaltsverzeichnis ist allerdings nicht beigegeben. Der Leser möge dies als Aufforderung zum imaginativen Üben auffassen.

 

Matthias Bideau, Wege, Advent 2018

 

Wer etwas von Widar, dem geheimnisvollen Gott der nordisch-germanischen Mythologie, der Edda, erfahren will, kann in dem kürzlich erschienenen Buch Aus Widars Wirken bedeutsame Denkansätze finden. … Die Besonderheit des Buches liegt in der erstaunlichen Vielseitigkeit und der suchenden Ernsthaftigkeit der Beiträge. … Es würde mich freuen, wenn durch das Buch … ein vertieftes und neues Suchen nach dem Geheimnis des Gottes Widar und den Wahrbildern der Edda wachgerufen würde.

 

Gundula Jäger in Die Christengemeinschaft 5/2015

 

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