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Drei Präludien zu Dantes "Divina Commedia" für Klavier

€ 11,00Preis

Torben Maiwald


EW048 · 12 S.


Die Aufgabe, Musik über die Kreise der Hölle zu schreiben – also das erste Präludium zu Dantes Divi-na Commedia –, hat mich zu einer überraschenden Einsicht geführt. Beim Komponieren war ich an-fangs versucht, die Hölle zwar nicht mit brutalen physischen Attacken, aber doch mit eher grübelnd-düsteren Klängen abzubilden. Ich merkte, dass ich eine solche Abbildung handwerklich zwar ausfüh-ren kann, doch etwas Entscheidendes fehlte. Die Musik wirkte kühl und maskenhaft. Ein zweiter Ver-such war dann schon etwas weniger frostig, doch noch immer fehlte die Wärme. Ich folgerte: Musik kann einen äußeren Vorgang akkurat in Tönen ausdrücken. Doch darf sie es, ihrem inneren Wesen nach? Irgendwie fühlte es sich in diesem Zusammenhang nicht richtig an.

Ich stellte fest, dass Musik meiner Empfindung nach nicht höllisch, sondern nur himmlisch sein kann. Als Hilfsbegriff, der eine „würdige“ Haltung der Musik gegenüber beschreibt, fand ich das Stau-nen. Man ist staunend ergriffen, wenn die Musik von unserer eigentlichen Heimat spricht. Man ist erschüttert, wenn man wahrnimmt: Ich habe meine Heimat ja nie verlassen. Ich war doch immer zu-hause. Nur vergessen habe ich es! Nun weiß ich es wieder ... danke, liebe Musik!

Um dennoch in Dantes Schilderung der Hölle musikalisch angemessen einzuführen, übersetzte ich mir Hölle mit Trennung – das Gefühl, getrennt zu sein von meinem Quell, die Einbildung, allein zu sein. Für den Titel des ersten Präludiums fand ich Einsamkeit am stimmigsten. Ein Zustand, der Schmerz, aber auch eine gewisse Lust umfassen kann. Das Erlebnis, dass „da draußen“ niemand ist und man selbst mutterseelenallein, kann umschlagen zu einem Erlebnis der großen Weite, in die man hineinatmen und dann doch wieder zu sich selbst finden kann. Man stellt fest: „Da draußen“ ist gar nicht „nichts“, sondern – da bin ich auch. Damit ist auch schon die erste Musik in diesem Heft be-schrieben. Das volle Erlebnis des Einsseins findet der Hörer erst im letzten Stück.

Die Präludien 2 und 3 brauchen wohl keine ausführliche Einführung. Es sei nur noch gesagt, dass jedes Stück auch separat aufgeführt werden kann und dass die Musik auch losgelöst vom speziellen Hintergrund ihrer Entstehung – der Divina Commedia – wirken kann.

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